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Ratgeber für den Kauf von Industrie- und Gewerbebedarf

Normen, Regeln und Standards im Beruf: keine Privatsache

 

Je nach Berufszweig entscheidet sich auch, mit welchen Geräten und Hilfsmitteln gearbeitet wird und welche Regelvorkehrungen es gibt. Labore, Fabriken, Kliniken und Gastronomiebetriebe haben gesetzlich verankerte Hygiene- und Schutzvorschriften, während in Büros oder bei fachübergreifenden Artikeln häufig soziale oder industrielle Normen eine Rolle spielen.

 

Bei berufsbedingten Artikeln müssen in den allermeisten Fällen Standards eingehalten werden, die manchmal sogar durch eine zuständige Prüfstelle mit einem entsprechenden Siegel versehen werden müssen. Beliebte Beispiele dafür sind das TÜV-Siegel, die CE-Kennzeichnung und die DIN-Normen. Ein Produkt, das so eine Kennung enthält, kann grundsätzlich als vertrauenswürdig eingestuft werden. Wie wichtig die Einhaltung solcher Normen durch Prüfungen ist, entscheiden einmal (gesetzliche) Hygiene- und Sicherheitsvorschriften sowie gesellschaftliche, soziale und firmeninterne Normen und Regeln.

 

Dass ein Briefumschlag gewissen Maßen entspricht, ist logisch und keine Frage – schließlich gibt es ihn ja auch nur in den von der Post akzeptieren Größe zu kaufen. Wie sieht es aber mit Arbeitsschutzbekleidung, Notfallausrüstung sowie Labor, Sanitär-, Systemgastronomie-, Medizin-, Lehrer- und Schulbedarf aus? Jede Berufsgruppe hat Standards einzuhalten, zumal es im Großteil der hier genannten Berufsfelder um die Gesundheit anderer geht. Deshalb unterscheiden wir zwischen Hygiene- und Sicherheitsstandards sowie vorgeschriebenen Maßen und Farben.

Woher weiß ich, ob das Produkt den Hygiene- und Sicherheitsstandards entspricht?

 

Unter dem Stichpunkt „Sicherheitsstandards“ gibt es für Normvorschriften als berufsgruppenunabhängiges Paradebeispiel den Erste-Hilfe-Kasten: Er muss vorschriftsmäßig in jedem Auto und jedem Betrieb vorhanden sein. Die Standards, denen er entsprechen muss, sind in diesem Fall drei DIN-Normen: die DIN 13157 (Betriebsverbandkasten klein), die DIN 13169 (Betriebsverbandkasten groß) und die DIN 13164 (KFZ-Verbandkasten). Die Anzahl der Angestellten sowie der Berufszweig entscheiden über die Größe und die Anzahl der Verbandkasten. Ein Verwaltungs- und Handelsbetrieb benötigt bei bis zu 50 Angestellten einen kleinen Kasten, während ein Herstellungs- und Verarbeitungsbetrieb schon ab 20 Mitarbeitern einen großen benötigt. Bei Baustellen wiederum ist bereits ab einer beteiligten Personenanzahl von 11 ein großer Verbandkasten vorgeschrieben. Koffer, die unverhältnismäßig günstig und nicht mit der eindeutigen DIN-Normen-Kennzeichnung versehen sind, sind unseriös und sollten nicht gekauft werden.

Arbeitsschutz und Hygienestandards: DIN-Normen und Vorschriften beachten

 

Hinter dem Begriff der „Sicherheitsstandards“ verbirgt sich mitunter das zugegebenermaßen recht große Feld der Arbeitsschutzbekleidung. Einer der bekanntesten Vertreter sind die Sicherheitsschuhe, die oftmals vom Arbeitnehmer selbst gekauft werden müssen. Bei den Schuhen greifen Standards, die durch die DGUV-Regel 112-191 festgesetzt sind. Sie werden innerhalb dieser Regelungen wiederum in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Diese wiederum sind durch Großbuchstabenkürzel kenntlich gemacht. Dahinter verbergen sich verschiedene Merkmale, die die Schuhe aufweisen müssen, um für die entsprechende Berufsgruppe zugelassen zu sein. Dazu gehören z. B. Zehenschutzkappen, Wasserdichtigkeit, Rutschhemmung, eine elektrisch isolierte Sohle, Schnittfestigkeit, Leitfähigkeit oder Durchtrittsicherheit. Daraus ergeben sich sechs genormte Kategorien: SB, S1, S2, S3, S4 und S5. Diese Normen sind dringend zu beachten, bitte keine billigen Alternativen kaufen, die nicht eindeutig mit dem für den Beruf vorgeschriebenen Kürzel versehen sind.

 

Auch Kittel, die bekanntlich in Laboren und Kliniken getragen werden müssen, haben gewissen Standards zu entsprechen. Sie dienen aller Regel nach zuerst dem Schutz von Kleidung und Haut und sollen gleichzeitig vermeiden, dass Schmutz oder Keime über die Straßenkleidung hereingetragen werden. Sie sind standardmäßig deshalb weiß, damit Flecken von gefährlichen Substanzen direkt erkannt werden können. Andererseits hat sich die Farbe bei Kitteln mittlerweile auch als eine Art der Repräsentativität und als Symbol von Sauberkeit etabliert. Sie sollten knielang sein und lange Ärmel haben, damit ein Großteil des Körpers geschützt ist. Außerdem behindern sie damit das Gehen nicht. Beim Material ist Baumwolle zu bevorzugen, da sie im Ernstfall nicht schmilzt, was gerade im Labor zu gefährlichen Verletzungen der Haut führen kann. Der Standardverschluss eines Kittels besteht aus Druckknöpfen. Das hat den Grund, dass man sich dem Mantel so schneller entledigen kann, falls gefährliche Chemikalien in größeren Mengen darauf gelangen. Ein Kann, aber kein Muss beim Kauf eines Laborkittels sind Eingriffstaschen. Auf diese Weise können zum Beispiel Kugelschreiber oder andere Gebrauchsgegenstände immer mitgeführt werden.

 

Was vor allem im Labor und auch bei handwerklichen Tätigkeiten (dafür weniger im medizinischen Bereich) gebraucht wird, sind Schutzbrillen. Auch sie haben einer DIN-Norm zu entsprechen, der DIN-EN 166, der europäischen Norm für Augenschutz. Dabei muss vor allem unterschieden werden zwischen Vollsichtschutzbrillen und Gestellbrillen. Für den Laborgebrauch sollte es auf jeden Fall eine Vollsichtschutzbrille sein, da sie um die Augen herum geschlossen ist und dementsprechend vor Chemikalien schützt. Die Gestellbrille hingegen schützt bei mechanischen Arbeiten. Bei Berufen mit Schweißerarbeiten oder andern für das Auge gefährlichen Licht- und Hitzequellen gilt eine andere europäische DIN-Norm: DIN-EN 169. Daneben gibt es für Tätigkeiten, bei denen das Auge ultravioletter Strahlung ausgesetzt ist, Schutzbrillen der DIN-EN-Norm 170, die logischerweise einen integrierten UV-Filter vorschreibt. Achte also beim Kauf dringend auf die für die Tätigkeit vorgeschriebenen Normen für Gestell und Schutzscheiben, denn nur so ist das Auge optimal geschützt.

 

Schutzhandschuhe richten sich, genau wie Schutzbrillen a) nach verschiedenen DIN-Normen und b) nach der Berufsgruppe. Grundsätzlich sind Arbeitshandschuhe von den Hygienehandschuhen abzugrenzen, bei denen es sich typischerweise um Einmalhandschuhe handelt. Sie bestehen in der Regel aus Latex und schützen vor Keimübertragung im Medizin-, Pflege- und Gastronomiebereich. Bei den klassischen Schutzhandschuhen kommt es vor allem auf die Belastung an, denen die Hände ausgesetzt sind. Sie müssen je nach Tätigkeitsfeld vor:

 

  • mechanischen Einwirkungen (DIN-EN 388:2003)

  • Schnittverletzungen (DIN-EN 388:2016)

  • Hitze (DIN-EN 407)

  • Kälte (DIN-EN 511, zusätzlicher Wasserschutz: Prüfung durch DIN-EN ISO 15383)

  • Feuer (DIN-EN 16350:2014)

  • Chemikalien (DIN-EN ISO 374-1:2016 Typ A bis C, unterscheiden sich durch die Menge der Chemikalien, vor denen sie schützen)

  • oder elektrostatischen Eigenschaften (DIN-EN 16350:2014) schützen.

 

Die wohl größte Errungenschaft des Menschen, die bis heute vor vielen Krankheiten schützt, ist die Erkenntnis über die Notwendigkeit von Hygiene. Viele Berufe aus der Medizin, der Pflege und der Gastronomie unterliegen deshalb strengen Vorschriften, was die Desinfektion der Hände und von Oberflächen, die häufig angefasst werden, oder mit denen Lebensmittel in Berührung kommen, angeht. Hierin liegt auch schon die wichtigste Unterscheidung, denn bei Desinfektionsmitteln, die für Oberflächen oder Instrumente verwendet werden, handelt es sich um chemische Mittel, während es bei solchen, die für die Haut gedacht sind, um Antiseptika handelt. Beide Desinfektionsmittelarten müssen in der Lage sein, Bakterien, Pilze, Hefen und Viren abzutöten. Deshalb werden Desinfektionsmittel für den gewerblichen Gebrauch einer Prüfung gemäß der europäischen Norm DIN-EN 14885 unterzogen. Sie regelt, wie die Mittel geprüft werden müssen, um den Standards gerecht zu werden und ein sicheres Desinfektionsmittel zu gewähren.

Maße und Farben – Normen für Praktikabilität und Optik

 

Es gibt einerseits Normen und Standards, die sofort einleuchten, da sie dem Schutz und der Hygiene dienen. Andere Regelungen erscheinen da meist nicht direkt sinnig, was daran liegt, dass die meisten Menschen Farben oder Maßen einen niedrigeren Stellenwert zuschreiben als Arbeits- oder Gesundheitsschutz. Außerdem sind manche Normen nicht gesetzlich verankert, da ein Verzicht darauf niemanden gefährden würde. Dafür sind sie aber sozial genormt und ein Wissen darüber trägt einen erheblichen Teil dazu bei, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Vielmals begegnen uns deshalb auch genormte Maße, über die wir uns gar keine Gedanken mehr machen (müssen), da sie selbstverständlich für uns sind. Sie sind das Erbe einer anderen Zeit und wurden von Generation zu Generation immer weitergegeben, so beispielsweise auch das klassische Papierformat DIN-A 4. Nur logisch also, dass auch Briefumschläge der Papiergröße angepasst sind und das Porto wiederum den Umschlägen entspricht.

 

Es gibt Berufsfelder, in denen solche „optischen“ Normen viel wichtiger sind als in anderen Bereichen. In der Systemgastronomie etwa, unter die auch Franchiseunternehmen fallen, müssen selbst Details wie Serviettenspender genormt sein, da das Konzept mitunter im Wiedererkennungswert für die Kundschaft begründet liegt. Diese Standards sind aller Regel nach vertraglich festgehalten. Dementgegen ist etwa der Lehrerberuf zwar generell viel freier, doch auch er obliegt genauer betrachtet gewissen Normen und Standards, was das im Unterricht verwendete Material angeht. So werden den Kindern anhand von normierten Maßen und Farben soziale Standards näher gebracht, die sich durchs ganze Leben ziehen. Der Stift zum Fehlermarkieren ist rot, während der Grünstift eher Korrektes und Positives verkörpert. Die Hefte der Hauptfächer haben ein DIN-A-4-Maß während naturwissenschaftliche Fächer einen karierten Grund haben und sprachbasierte Fächer liniert sind. Es liegen also auch in Farben und Linienrichtungen gewisse (soziale) Normen begründet, die zwar keiner gesetzlich geregelten Pflicht entsprechen, durch den vorbildhaften Gebrauch aber sehr wohl einen Lerneffekt erzielen.